Sankt Petersburg….vom Weg her eigentlich überhaupt kein Problem.Ca. 350 km von Tallinn aus sollten schnell geschafft sein und wir hätten noch etwas von dieser beeindruckenden Stadt…dachten wir. Leider konnte überhaupt keiner Ahnen, dass wir tatsächlich fast 5 Stunden an dem Grenzübergang Estland/Russland stehen. Als wir zur Grenze kamen, waren wir noch euphorisch, da „nur“ eine kleine Schlange von Autos vor uns standen. Als wir bemerkten, dass sich diese jedoch nicht bewegte, wurde unsere Laune und Ungeduld zusehens schlechter.
Keiner wusste genau, warum es nicht weiter geht, aber uns blieb einfach nichts anderes übrig als zu warten.Kurz vor der Schranke auf der europäischen Seite, überraschten uns die Teams Baltic Roadkil Ass., K-Team und B-Team. Sie waren erfreut uns zu sehen und meinten, dass sie uns nun dicht auf den Versen seien. Wir konnten ihre Freude jedoch schnell auf den Nullpunkt zurück holen, als wir ihnen von unserer Wartezeit erzählten.
Endlich durch die Grenze ging es weiter in die ersehnte Stadt, in der wir allerdings erst um 1.30 Uhr morgens ankamen. Tagesaufgabe laut Roadbook war, ein Übernachtungsmöglichkeit zu finden, in dem noch ein Bild von Lenin hängt. Gar nicht so einfach wie sich schnell herausstellte. Es war überhaupt schwierig eine Unterkunft zu finden, aber wir hatten ja glücklicherweise unseren Fredi dabei, der in Sankt Petersburg auch noch den ein oder anderen Freund wohnen hat. Übernachtungsmöglichkeit im Bus bei einem Freund vom Fredi gefunden und sogar die Tagesaufgabe erfüllt, besser konnte es doch nicht laufen….eigentlich.
Wenn drei unterschiedliche Charaktere und Mentalitäten 7500 km in einem Bus um die Ostsee geschickt werden, kann es auch mal zu Spannungen kommen. Wir entschlossen uns also den nächsten Tag auch noch in Sankt Petersburg zu bleiben, um sich zum einen mal wieder etwas Freiraum zu gönnen und zum anderen den verschiedenen Interessen nachzugehen. Fredi wollte nach fast 11 Jahren mal wieder seine alten Freunde sehen und Basti und ich wollten einen Stadterkundung starten. Wir machten für den selben Tag noch einen Uhrzeit und Treffpunkt aus und zogen dann los.
Basti und ich könnten euch jetzt stundenlang von dem Flair dieser Stadt erzählen, jedoch würde das geschriebene Wort niemals das wiedergeben, was wir erlebt haben. Eine völlig andere Stadt, in einem völlig anderen Land mit wirklich sehr netten Einwohnern. Entgegen unseren Vermutungen, war die Stadt, wie viele andere Städte anderswo in der Welt eigentlich auch, sehr westlich und wir positiv überrascht. Nach den ganzen Eindrücken des Tages (einige können die beigefügten Fotos hoffentlich widerspiegeln), trafen wir uns wie vereinbart mit Fredi wieder am Bus. Dieser war selber auch überglücklich, da er einige Freunde wiederfinden und sie treffen konnte.
Unser Plan war nun uns wieder auf den Weg zu machen und die anderweitig genutzte Zeit wieder aufzuholen. Allerdings ging es nicht Richtung Finnland wie eigentlich im Roadbook vorgeschlagen, sondern wir wollten weiter durch Russland nach Murmansk, die nördlichste russische Großstadt an der Barentssee. Wir waren uns über die eventuell schlechten Straßenverhältnisse und den Verlust von zwei Rallyepunkten bewusst, wollten aber noch etwas in Russland bleiben und vom günstigen Sprit sowie Lebensmittel profitieren. Außerdem waren wir nicht die einzigen, denn drei weitere Teams entschieden sich für diesen Weg.
21 Uhr, es sollte los gehen und wir wollten km aufholen, aber ausnahmsweise schnurrte unsere Bus mal nicht wie eine Katze. Irgendetwas schien zu quietschen und wir konnten es relativ schnell an der Lichtmaschiene festmachen. Das Lager des Schwungrades schien defekt aber noch nicht gänzlich unbrauchbar zu sein. Was tun war die Frage. Weiter fahren und einen Totalausfall riskieren oder doch noch einen Ersatz für alle Fälle besorgen. Wir entschieden uns für die zweite Variante und fuhren zu einem Freund von Fredi. Dieser war unglaublich hilfsbereit und so konnten wir noch eine zweite Lichtmaschiene nachts um 24 Uhr auftreiben. Sie ist zwar von einem VW Passat und wir bauten sie auch noch nicht ein, aber besser ist es eine dabei zu haben. Unserem Dank gilt an dieser Stelle somit Andej, seinem Nachbarn und Stas, die dieses Unterfangen für uns möglich gemacht haben.
So ging es dann gegen 3 Uhr morgens endlich los. Murmansk, wir kommen……
Ca. 40 km nachdem wir aus Sankt Petersburg raus waren, Basti und Fredi waren am schlafen, sah ich leider einen großen Unfall. Ein Elch wurde auf der Straße von einem Auto erfasst. Der Elch hatte es natürlich nicht überlebt, aber die Menschen im Auto waren unverletzt. Das Auto allerdings war Schrott.
Da wir alle sehr müde waren, war der erste Fahrerwechsel dann schon 1,5 Stunden später, da wir alle kein Risiko der Übermüdung am Steuer eingehen wollten. Die Fahrt über haben wir also mehr gewechselt als üblich.1450 km bis Murmansk….das konnten und wollten wir dann doch nicht an einem Tag durchfahren.
Leider mussten wir noch mal eine längere Zwangspause einlegen, da ein Wasserschlauch am Motor undicht wurde und wir es anhand von Fehlzündungen während der Fahrt gemerkt hatten. Unter dem Bus tropfte es nicht, es lief. Da wir mit solchen Sachen gerechnet hatten, wurde kurzerhand unser Ersatzteillager ausgepackt und ca. 1 Stunde später waren wir wieder, mit einem Grinsen im Gesicht und dem Gefühl auf alles vorbereitet zu sein, auf der Straße. Wir stehen nun ca. 500 km vor Murmansk an einem großen See und haben unsere Zelte aufgeschlagen. Es ist nun 15 min. vor 1 Uhr morgens und die Sonne ist immer noch am Horizont zu entdecken.
Fredi hat seine Angeln ausgeworfen, Basti liegt neben mir auf einer Klappliege und ich schreibe euch, während sich unsere Elektrogeräte an einem Stromgenerator regenerieren.
Das Feuer brennt, die Suppe war lecker, der letzte Wodka ist getrunken und der Tee gleich warm. Gute Nacht ihr Elche, Bieber, verdammte Mücken und Obesjana (russisches Wort für Stromgenerator (Affe)). Gute Nacht Mutternatur und gute Nacht an unser viertes Teammitglied, unserem heiß geliebten VW Bulli.
Wir genießen jetzt noch etwas den Horizont und denken uns……….I like !!!
Eure Wheelers